„Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken, die Intelligenz, das Maximum an nach außen gerichteter Verinnerlichung.
Das ist heute das Entscheidende.“ (Luigi Nono, 1983)
KUN SU - Paintings
Eröffnung: Freitag, 21. November 2025, 19 - 21 Uhr
Ausstellungsdauer bis Samstag, 28. Februar 2026
Artist Talk: Kun Su im Gespräch mit der Kuratorin Dr. Olena Balun, (AdbK, München)
Donnerstag, 12. Februar 2026, 19 Uhr
SonicSolo Konzerte 2025
9. Dezember, 20 Uhr, Jakob Grimm, Bassposaune
16. Dezember, 20 Uhr, Nina Takai, Violine
Abb.: Kun Su, "explosion (nach Pierrot le Fou)", 2023, Öl auf Leinwand, 39 x 50 cm
Ausstellungsbegleittext
Kun Su (*1993, Beihai, China) – Paintings
Kun Sus Werke beeindrucken durch einen filmischen Blick und eine ebensolche Lichtführung.
Man begegnet Gegenständen als seien sie Personen. Gerade hat man sie kennenlernt, doch unerklärlicher Weise wirken sie bereits vertraut.
Dejà Vus, Nahsichten voller Sensitivität, ja fast erotischer Zärtlichkeit stellen sich ein, wenn Kun Su ein Ohr von hinten beobachtet. Es sind Blicke der Renaissande und Barockkünstler, aber auch Blickwinkel eines Adolph von Menzel oder Edgar Degas, die auf Analogien zwischen belebter und unbelebter Welt stoßen und so Verbindunen zur Innenwelt, einen Interpretationsraum - Bedeutung hinter der Bedeutung auftun.
Kun Sus Setzungen, seine "Stillleben", Momente der privaten Umgebung entwickeln sich in der Wahrnehmung des Betrachters wie Kommentare zum Geschehen in der Alltagswelt. Sie thematisieren Industrielle Wirklichkeit, den öffentlichen Raum oder lassen in der Menschheits- und Kunstgeschichte lesen.
Kun ist ein Maler, der sich in einem Faltenwurf genauso wie in einem Lampenschirm, einer Haarlocke oder einer Ritterrüstung verlieren kann. Immer wahrt er eine höfliche Distanz. Räume scheint er zu scannen, malt sie in einer Weise, sodass Realität und Surrealismus, Tiefe und Untiefe zugleich gegenwärtig sind.
Man trifft durchaus auf Menschen in seinen Bildräumen, doch zeugen sie von einer Leere, in der nur das Licht ein lebendiger Bewohner ist. Ein Harnischvisier schützt das Gesicht bis auf einen kleinen Sehschlitz und macht das Individuum zu einer Kämpferfigur, die die Schönheit der sonnigen Aussenwelt unter freiem Himmel im silbernen Schein des Metalls reflektiert.
Wie die großen Meister studiert Kun Su die Handschriften seiner Vorbilder, konzentriert sich auf künstlerische Fragen, die sich immer wieder stellen, verarbeitet die allgegenwärtige Bildwelt. So begegnen uns etwa eine Szene aus Jean-Luc Goddards Film "Pierrot le fou" oder Anklänge an Francisco Goya, Velázquez, Balthus, Paul Cézanne, vielleicht de Chirico, Edward Hopper, sicher Michaël Borremans uvm.
Notizenartig und doch nie völlig fassbar klingt ihr Geist wieder.
Kun verschiebt die Anspielungen durch seinen spezifischen kulturellen und assoziativen Blick, seine eigene Handschrift, die uns im Farbauftrag virtuos, manchmal altmeisterlich, manchmal rau und eilig entgegentritt. Manchmal schmeichelt er, wenn er Motive direkt zitiert, doch geht er trotz der Verehrung für die Helden der Vergangenheit und die Kunstgeschichte durch Abweichungen und Unschärfe in in eine eigene, junge, andere Richtung, die humorvoll leise kommentiert und ernst macht.
Immer geht es um den Raum hinter dem Dargestellten, eine Leere, eine Verbindung, Farbübergänge, den Zwischenraum von einem Zustand zum andren, – vielleicht den Sprung in der Quantenmechanik, der den eigenen Erfahrungshorizont überrascht, wenn er die Phantasie lossendet, um die Realität zu überholen.
Kun Su beschreitet seinen Weg in Kontemplation als Einzelgänger. Sogar die Größe seiner Leinwände richtet er so aus, erzählt er schmunzelnd, dass er sie immer alleine tragen kann. Wenn es mal größer sein soll, dann werden es Diptychen.
Text: JL